Viele Hunde- und Katzenhalter beschäftigt dieselbe Frage: Wenn Hunde von Wölfen abstammen und Katzen von Natur aus jagen, können beide tatsächlich mit einer fleischfreien Ernährung gut gedeihen?
Die stark wachsende Branche für veganes Heimtierfutter geht davon aus. Ihr Marktvolumen lag 2024 bei 27 Milliarden US-Dollar und soll sich in den kommenden zehn Jahren mehr als verdoppeln.
Eine neue Übersichtsarbeit wollte die wissenschaftliche Grundlage dieser Sorge prüfen. Dafür wurden 31 Studien zur Verdaulichkeit veganer, vegetarischer und pflanzenbasierter Ernährung bei Hunden und Katzen gemeinsam ausgewertet.
Verfasst wurde die Arbeit von Professor Andrew Knight, einem Tierschutzforscher, der mit der School of Environment and Science der Griffith University verbunden ist.
Von den 31 Studien befassten sich 22 mit Hunden, zwei mit Katzen und sieben mit beiden Tierarten.
Warum Halter pflanzliche Ernährung wählen
Ethische Überzeugungen und Umweltaspekte sind die wichtigsten Gründe für den Wechsel zu solchen Ernährungsweisen. Wer selbst weniger oder kein Fleisch isst, möchte dies häufig auch auf die Fütterung der eigenen Tiere übertragen.
Die Dimension dieser Entscheidung ist beträchtlich. Einer Analyse zufolge führt die fleischbasierte Ernährung aller Haus- und Nutztiere gehaltenen Hunde und Katzen weltweit dazu, dass jedes Jahr Milliarden landwirtschaftlich gehaltener Landtiere Teil der Nahrungskette werden.
Auch pflanzenbasiertes Hundefutter verursacht geringere Umweltbelastungen. Eine aktuelle Lebenszyklusanalyse ordnete Rindfleischfutter sowohl bei Treibhausgasemissionen als auch beim Flächenverbrauch deutlich über pflanzlichen Alternativen ein.
Weshalb die Verdaulichkeit entscheidend ist
Verdaulichkeit ist ein einfaches Konzept mit grosser Bedeutung. Sie beschreibt, welcher Anteil eines Nährstoffs aus dem Darm in den Körper gelangt, statt ungenutzt ausgeschieden zu werden.
Ein Futter kann auf dem Etikett sämtliche Vitamine ausweisen und dennoch unzureichend sein. Kann das Tier die Nährstoffe nicht aufnehmen, haben die aufgedruckten Werte nur begrenzte Aussagekraft.
Für Hunde und Katzen ist das besonders relevant. Beide besitzen relativ kurze Verdauungstrakte, weshalb Nahrung sie zügig passiert und weniger Zeit zur Aufspaltung bleibt.
Die Übersichtsarbeit betrachtet diesen Wert als Kern der gesamten Diskussion. Werden pflanzliche Futtermittel gut aufgeschlossen und aufgenommen, verliert der häufigste Einwand dagegen seine Grundlage.
Woher die Zweifel stammen
Die langjährige Skepsis hatte einen nachvollziehbaren Ausgangspunkt. Katzen sind obligate Karnivoren, während Hunde eher Allesfressern ähneln; ihre Anforderungen und ihre Verdauungsphysiologie unterscheiden sich daher.
Pflanzen bringen zudem bestimmte Herausforderungen mit. Stoffe wie Phytate und Trypsin-Inhibitoren können die Mineralstoffaufnahme hemmen oder die Proteinverwertung beeinträchtigen, während hohe Ballaststoffmengen Fette binden können, bevor der Körper sie aufnimmt.
Manche vertraten die Ansicht, dass Fleischprotein grundsätzlich leichter verwertbar sei. Wäre das richtig, müsste sich dies bei Heimtieren mit pflanzlicher Ernährung in einer schlechteren Gesundheit zeigen.
Die bisherige Gesundheitsdatenlage bestätigt diese Befürchtung jedoch nicht. Eine Befragung von mehr als 4.000 Tierhaltern ergab keinen einheitlichen Unterschied bei der Akzeptanz des Futters, und mehrere Gesundheitsanalysen fielen überwiegend zugunsten pflanzenbasiert ernährter Tiere aus.
Ergebnisse der Fütterungsversuche
Über die untersuchten Ernährungsformen hinweg schnitt pflanzenbasiertes Futter deutlich besser ab, als es die Zweifel vermuten liessen. Das Muster war konsistent und kein Zufallsergebnis.
Fünf Studien erfassten die Verdauung über den gesamten Verdauungstrakt.
In jeder dieser Studien erreichten vegane und vegetarische Ernährungsweisen mehr als 80 % bei Trockenmasse, 85 % bei organischer Substanz, 80 % bei Protein, 89 % bei Fett sowie 88 % bei Stärke und löslichen Kohlenhydraten.
Diese Werte liegen auf einem ähnlichen Niveau wie bei fleischbasierten Ernährungsweisen. In mehreren direkten Vergleichsstudien erreichten pflanzliche Futtermittel bei nahezu allen Messgrössen Werte, die ihren tierischen Gegenstücken entsprachen.
„Die gegenwärtige Evidenz zeigt, dass ernährungsphysiologisch ausgewogene vegane und vegetarische Heimtierernährung sowie ihre wichtigsten Proteinquellen von Hunden und Katzen im Allgemeinen gut verdaut werden“, sagte Professor Knight.
Wie einzelne Proteinquellen abschnitten
Die Übersichtsarbeit beschränkte sich nicht auf vollständige Ernährungsweisen, sondern untersuchte auch deren Proteinquellen. Soja verfügt dabei über die längste Forschungsgeschichte. Sein Aminosäureprofil ähnelt dem von Fleisch, was einen Teil seiner Attraktivität ausmacht.
Sojaproteinquellen erzielten wiederholt hohe Werte: häufig mehr als 80 % bei Trockenmasse und Protein sowie mehr als 90 % bei Fett.
Auch Hülsenfrüchte schnitten gut ab. Grüne Linsen, Kichererbsen, gelbe Erbsen und weisse Bohnen lagen allesamt in einem guten Bereich.
Hinzu kamen neuere Proteinquellen. Dazu zählt das mikrobielle Protein FeedKind, das aus einem harmlosen Bakterium gewonnen wird und ähnlich gut verdaulich war wie viele etablierte Zutaten.
Weizengluten übertraf in mehreren Hundeversuchen Huhn und Geflügelnebenerzeugnis-Mehl bei der Proteinverdaulichkeit.
Bei Katzen verbesserte sich die Aufnahme von Reisproteinkonzentrat, je grösser dessen Anteil an der Nahrung war.
Welchen Einfluss die Verarbeitung hat
Die Zutaten allein zeichnen kein vollständiges Bild. Auch die Herstellung eines Futters kann seine Verdaulichkeit verbessern oder verschlechtern.
Rohe Hülsenfrüchte enthalten weiterhin antinutritive Verbindungen, die die Verdauung von Aminosäuren wie Methionin mindern. Durch das Garen werden diese Stoffe meist reduziert, weshalb die meisten kommerziell extrudierten Futtermittel gut aufgenommen werden.
Hitze kann allerdings in beide Richtungen wirken. Bei zu starker Erhitzung entstehen Maillard-Reaktionen – die Bräunungschemie, die etwa Toast hervorbringt. Dadurch kann Lysin gebunden werden und dem Körper nicht mehr zur Verfügung stehen.
Für Hersteller lautet die Lehre daher, einen sorgfältigen Mittelweg zu finden. Die Verarbeitung sollte zur jeweiligen Zutat passen, und Proteine sollten so kombiniert werden, dass Schwächen einer Quelle nicht die gesamte Ernährung beeinträchtigen.
Was noch untersucht werden muss
Die Übersichtsarbeit ist ermutigend, beansprucht jedoch nicht, die abschliessende Antwort zu liefern. Der grösste Teil der Evidenz betrifft Hunde; für Katzen liegen deutlich weniger Studien vor.
Fast alle Untersuchungen wurden mit gesunden erwachsenen Tieren unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt. Welpen, Kitten, ältere oder kranke Tiere sind bislang weitgehend unerforscht, ebenso die Bedingungen in gewöhnlichen Haushalten statt in Laborumgebungen.
Der Untersuchungsrahmen war bewusst begrenzt. Bewertet wurden Protein und Energie, nicht sämtliche Mikronährstoffe. Vitamine und Mineralstoffe müssen daher weiterhin gesondert sorgfältig berücksichtigt werden.
Das beste Heimtierfutter auswählen
„Diese Ergebnisse stützen den Einsatz sorgfältig formulierter veganer und vegetarischer Ernährungsweisen und stellen die Annahme infrage, dass solche Ernährungsweisen weniger verdaulich sind als herkömmliche fleischbasierte Ernährungsweisen“, sagte Professor Knight.
Bei der Auswahl des besten Futters empfiehlt er Tierhaltern, die Produktetiketten zu prüfen. „Es sollte klar angegeben sein, dass die Ernährung ernährungsphysiologisch vollständig ist.“
„Das Futter sollte von einem guten Heimtierfutterunternehmen stammen, das Auskunft über die Schritte zur Sicherstellung der ernährungsphysiologischen Qualität geben kann, etwa über die Zusammenarbeit mit tierärztlichen Ernährungsspezialisten.“






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