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Lange Arbeitszeiten erhöhen das Risiko für gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum

Junger Mann im Büro abends gestresst, mit Laptop, Akten, Whiskyflasche und Glas auf dem Tisch.
In diesem Artikel
  1. Wenn die Arbeitswoche über 40 Stunden hinausgeht
  2. Nachtarbeit und wechselnde Schichten
  3. Warum längere Arbeitszeiten eine Rolle spielten
  4. Alters- und Geschlechtermuster
  5. Rauchen erhöhte das Risiko
  6. Definition von Alkoholkonsum mit hohem Risiko
  7. Was Arbeitgeber verändern können
  8. Unterstützung, die zur tatsächlichen Arbeit passt
  9. Einschränkungen der Studie
  10. Ein klareres Ziel für Unterstützung

Mehr als eine Vollzeitstelle zu arbeiten, wird mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum während der Arbeitswoche in Verbindung gebracht.

Das Ergebnis rückt starken Alkoholkonsum in ein neues Licht: Er wird auch durch die Organisation der Arbeit geprägt – nicht allein durch Entscheidungen, die Menschen nach Feierabend treffen.

Wenn die Arbeitswoche über 40 Stunden hinausgeht

Lange Arbeitswochen haben sich als messbarer Belastungspunkt erwiesen, an dem der Alkoholkonsum über risikoarme Muster hinaus ansteigt.

Dr. Gianluca Di Censo von der Flinders University stellte anhand von Tausenden australischen Arbeitsverhältnissen fest, dass längere Arbeitszeiten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum zusammenhingen.

Dieser Zusammenhang blieb bestehen, wenn neben den Arbeitszeiten auch Alter, Geschlecht und Gesundheitsverhalten berücksichtigt wurden.

Damit ist der Rahmen für eine genauere Betrachtung gesetzt, welche Arbeitsbedingungen das Risiko verstärken und welche weniger ins Gewicht fallen.

Nachtarbeit und wechselnde Schichten

Beschäftigte mit Nacht- oder Wechselschichten neigten eher zu einzelnen Episoden starken Alkoholkonsums als zu kontinuierlichem Trinken an Werktagen.

Dieser Zusammenhang zeigte sich in der Erhebung Household, Income and Labour Dynamics in Australia, die Beschäftigte über 23 Jahre hinweg hinsichtlich ihrer Arbeitsmuster begleitete.

Alkohol kann zwar das Einschlafen beschleunigen, weil er die Gehirnaktivität dämpft, stört jedoch den Schlaf im weiteren Verlauf der Nacht.

Für Nachtarbeitende kann daraus ein belastender Kreislauf entstehen, denn ein Getränk zur Erholung kann letztlich das Gegenteil bewirken.

Warum längere Arbeitszeiten eine Rolle spielten

Auch der Wunsch nach zusätzlicher Arbeit ging mit stärkerem Alkoholkonsum einher, selbst wenn Überstunden nicht vom Vorgesetzten verlangt wurden.

Bei Beschäftigten, die mehr Stunden arbeiten wollten, war die Wahrscheinlichkeit für einzelne Episoden starken Alkoholkonsums höher; dies deutet auf finanziellen Druck oder Arbeitssucht hin.

Die Arbeitszufriedenheit erwies sich nicht als ausgeprägter Prädiktor, was darauf hindeutet, dass die Arbeitsstruktur wichtiger war als die Frage, ob jemand seine Arbeit mochte.

Diese Differenz stellt Arbeitgeber vor eine schwierigere Aufgabe, weil Anpassungen bei Arbeitszeiten und Bezahlung wichtiger sein können als aufmunternde Gespräche.

Alters- und Geschlechtermuster

Bei Beschäftigten im Alter von 18 bis 29 Jahren traten Rauschtrinkepisoden deutlich häufiger auf; ein Bericht bezifferte den Unterschied auf nahezu das Achtfache.

Die Forschenden bezeichneten dieses Muster als Rauschtrinken und stellten fest, dass es sich besonders bei jüngeren Erwachsenen häufte.

Männer wiesen eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit für gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum auf als Frauen, während körperlich belastende Tätigkeiten eher am oberen Ende des Risikos lagen.

„Jüngere männliche Beschäftigte und Menschen in körperlich anspruchsvollen Berufen wie Hilfsarbeiter gehören zu den Gruppen mit dem höchsten Risiko“, sagte Dr. Di Censo.

Rauchen erhöhte das Risiko

Rauchen war das deutlichste veränderbare Verhalten, das mit riskantem Alkoholkonsum verbunden war, und zeigte einen stärkeren Zusammenhang als viele Arbeitsplatzmerkmale.

Rauchende gaben fast dreimal so häufig gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum an, möglicherweise weil Nikotin Alkohol als belohnender erscheinen lassen kann.

Präventions- und Interventionsmaßnahmen müssten Bündel von Gesundheitsverhalten berücksichtigen, statt Alkoholkonsum isoliert zu behandeln, erklärte Di Censo.

„Programme, die mehrere Gesundheitsverhaltensweisen gleichzeitig angehen, etwa Rauchen und Trinken, sind wahrscheinlich wirksamer“, sagte Dr. Di Censo.

Definition von Alkoholkonsum mit hohem Risiko

Die Forschenden erfassten drei Muster von Alkoholkonsum mit hohem Risiko, der mit Verletzungen und Erkrankungen verbunden ist, anstatt nur die an einem Abend getrunkene Menge zu zählen.

Die australischen nationalen Leitlinien legen risikoarme Grenzen bei 10 Standardgetränken pro Woche und vier an einem einzelnen Tag fest.

Die tatsächliche Ausschankmenge kann stärker variieren, als viele erwarten, und ein Standardgetränk – eine festgelegte Menge reinen Alkohols – wird leicht übersehen.

Mithilfe dieser Kategorien konnte das Team sowohl regelmäßiges Trinken an Werktagen als auch einzelne Spitzen erkennen, für die unterschiedliche Präventionsinstrumente erforderlich sind.

Was Arbeitgeber verändern können

Arbeitgeber bestimmen nicht nur über Gehälter, denn ihre Regeln legen das Arbeitstempo und die Erholungszeit der Beschäftigten fest.

Eine weniger ausgeprägte Kultur langer Arbeitszeiten kann wiederholte Spitzen bei Stresshormonen verringern, die Menschen sonst nach einem Arbeitstag zu schneller Erleichterung verleiten.

Betriebliche Programme können Schulungen zur Stressbewältigung mit verständlicher Aufklärung über Alkohol und Schlaf verbinden, damit Beschäftigte nicht mehr auf Getränke vor dem Schlafengehen angewiesen sind.

Diese Maßnahmen beseitigen persönliche Risiken nicht, können Gruppen mit hohem Risiko jedoch den frühzeitigen Zugang zu Hilfe erleichtern.

Unterstützung, die zur tatsächlichen Arbeit passt

Allgemeine Plakate zum Wohlbefinden sind selten wirksam, weil das Trinkrisiko aus dem Zusammenspiel von Tätigkeitsart, Alter und Lebensstil entsteht.

Maßgeschneiderte Programme können jüngere Beschäftigte in den sozialen Räumen erreichen, die sie nutzen, und Hilfsarbeiter über berufsspezifische Sicherheitskanäle ansprechen.

Unterstützung muss zudem vertraulich und leicht zugänglich sein, da viele Menschen aus Angst vor Bewertung am Arbeitsplatz keine Hilfe suchen.

Durch die Verbindung klarer Regeln, vertraulicher Angebote und gesünderer Arbeitszeiten können Arbeitgeber die Lücke zwischen Risiko und Unterstützung verkleinern.

Einschränkungen der Studie

Die Studie stellte einen Zusammenhang zwischen Arbeits- und Trinkmustern fest, belegte jedoch nicht, dass zusätzliche Arbeitsstunden oder Nachtschichten jemanden zum Trinken veranlassten.

Die Teilnehmenden machten eigene Angaben zu ihrem Alkoholkonsum, wobei Erinnerungslücken oder sozialer Druck die Antworten von den tatsächlichen Ereignissen abweichen lassen können.

Trotz sorgfältiger Anpassungen könnten nicht erfasste Faktoren wie Depressionen, Schmerzen oder die lokale Trinkkultur hinter einigen Zusammenhängen stehen.

Dennoch können die Muster schon jetzt betriebliche Programme anleiten, während künftige Studien prüfen, welche Veränderungen Schäden am stärksten verringern.

Ein klareres Ziel für Unterstützung

Die Erkenntnisse führten riskanten Alkoholkonsum sowohl auf Arbeitsstrukturen als auch auf persönliche Faktoren zurück und machen Prävention damit zu einer gemeinsamen Verantwortung statt zu einem privaten Versagen.

Arbeitsplätze, die extreme Arbeitszeiten reduzieren, das Rauchen einbeziehen und vertrauliche Unterstützung anbieten, können früh handeln, noch bevor ein Problem offensichtlich wird.

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Katharina Engert

Katharina Engert ist Bäckermeisterin mit langjähriger Erfahrung in der Herstellung traditioneller Brote, feiner Backwaren und saisonaler Spezialitäten. Für die Bäckerei Engert schreibt sie über regionale Zutaten, handwerkliche Teigführung und ihre Leidenschaft für nachhaltige Backkultur.

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